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Sicherheitsweste – Sicher reiten

Sicherheitsweste zum Schutz des eigenen Körpers ist das A und O.

Sie werden auch Springweste, Schutzwesten oder Sturzwesten genannt. Man sagt die sind unbequem und schränken die Bewegungsfreiheit ein. Doch stimmt das?

Lange Zeit sah man die Sicherheitsweste nur in Vielseitigskeitsprüfungen, wo sie bereits Pflicht sind. Doch sie sollten nicht nur im Gelände getragen werden. Oft passieren Unfälle auch im täglichen Umgang mit Pferden, weil Situationen unterschätzt werden. Viele Unfälle passieren auch beim Ausritt im Gelände. Vor allem Reiter von Pferden, die etwas mehr „go“ haben oder schreckhaft sind sollten eine Sicherheitsweste anziehen.
Ich war vor kurzem mit ener Reitkollegin im Gelände zu einem Ausritt. Wir haben dort einen Hügel, welchen man schön rauf und runter reiten kann. Links und rechts stehen Bäume und hinter einem Baum war ein Pferd am Fressen. Auf dem Hinweg haben die Pferde es gesehen. Auf dem Rückweg hat sich das meiner Reitkollegin erschrocken.

Laut Versicherungsstatistik passieren jedes Jahr 90.000 Reitunfälle in Deutschland. Ein Artikel (07/2012) aus der Thüringer Allgemeinen spricht von 30.000 Unfällen jährlich. Bei den Unfällen tragen gerade einmal 25% einen Helm. Zitat: Nur 25 Prozent der Reiter trugen einen Helm, zwei Reiter trugen zusätzlich zum Helm eine Sicherheitsweste. „Von den Reitern, die keinen Helm trugen, verstarben alle an Kopfverletzungen.“
Die meisten Unfälle passieren bei stürzen, aber nicht nur in der Vielseitigkeit und beim Springen sondern vor allem auch im täglichen Umgang mit dem Pferd können Unfälle passieren.
Der wohl häufigste Unfall beim Reiten ist ein Sturz. Die häufigsten Folgen sind eine Prellung der Rippen, Brüche, Verletzungen an der Wirbelsäule und besonders schlimm: Querschnittslähmungen und Todesfälle.

Gerade im Vielseitigkeitssport sind mehrere Prominente Reiter gestürtzt und sogar verunglückt. 2014 Benjamin Winter, 2016 Olivia Inglis und Caitlyn Fisher. Deshalb gibt es den EN 1358 bzw. BETA Standard, welcher regelt, welche Sicherheitsweste in Geländeprüfungen benutzt werden darf.

Die richtige Weste

Die richtige Sicherheitsweste soll Brustkorb und Wirbelsäule bei einem Sturz schützen. Dabei dämpft das Material beim Sturz den Aufprall, durch die sehr stabilen Vorder- und Rückseite bzw beim Rückenprotektor den Rücken. Die Sicherheitsweste besteht dabei aus Polster-Material und ist mehrlagig. Mehrlagig heißt in diesem Fall, dass sie aus etwa 2,5cm dicken Schichten besteht. Das Material passt sich durch die eigene Körperwärme dem Oberkörper optimal an. Speziell die Airbagweste hat noch Luftpolster verarbeitet, welche beim Sturz aufgeblasen werden.

Dabei ist die Passform sehr wichtig: Es sollte unbedingt drauf geachtet werden, dass die Weste lang genug ist und den kompletten Rücken abdeckt. Jedoch sollte auch drauf geachtet werden, dass sie nicht zulang ist und ggf gegen den Sattel berührt. Es gibt viele verschiedene Modelle und man sollte sich gut informieren, welche Weste das richtige für einen ist. Einen Überblick biete ich unten.
Beim Kauf sollte unbedingt beachtet werden, dass die Weste das ganze Jahr über getragen wird. Wer also im Sommer kauft sollte beachten, dass man im Winter nicht nur im T-Shirt reitet sondern unter oder über der Weste eine Fleecejacke oder ähnliches an hat. Sie sollte also eng anliegend sein, aber auch passen, wenn im Winter ein Pullover oder eine Fleecejacke drunter getragen wird.

Meine Unfall-Erfahrungen

Aus eigener Erfahrung: Ich musste mit meinem alten Pferd in die Klinik. Also musste er verladen werden. Wir hatten für das Verladen den Anhänger direkt neben der Stallwand geparkt, damit das Pferd einen Fluchtweg weniger hat. Beim Verladen machte er jedoch einen Schritt zur Seite und sprang damit in zwei beteiligte Personen. Beide hatten geprellte Rippen.

Vor Jahren bin ich ein Jump & Run mitgeritten. Der Boden war matschig und meine Pferde laufen ohne Eisen, weshalb es für ihn auch rutschig war. In einer Kurve waren wir uns nicht ganz einig und er rutschte. Folge: Ich landete im Matsch und hatte eine Gehirnerschütterung. Hier war es wirklich nur Glück, dass mir nichts weiter passiert ist. Es hätte aber auch schlimmer ausgehen können. Mein Läufer hätte im übrigen fast Glück gehabt und hätte nicht mehr laufen müssen, weil wir eh raus waren. Allerdings war es ein gut aussehender, junger Mann welcher vom weiblichen Publikum und dem Ansager ermutigt wurde seine Runde zu laufen. Mein Pferd und ich haben vom Rand zugeschaut und hatten auch nach dem Sturz noch was zu lachen – wenn auch mit Kopfschmerzen.

Cavallo hat verschiedene Sicherheitswesten von unter 100 Euro bis 200 Euro getestet. Dabei kamen ganz verschiedene Ergebnisse raus. Sieger war Protecto Flex vom Hersteller Kerbl zu einem Preis ab 95 Euro. Zum Cavallo Test.

Sicherheitsreitweste – die Arten

Klassische Sicherheitsreitweste

Die klassische Sicherheitsreitweste, ist als Einsteigermodell sehr beliebt. Sie hat an Vorder- und Rückenteil mehrere Schichten Kunststoff und ein verlängertes Rückenteil um auch die untere Rückenpartie perfekt zu schützen. Sie ist dank Klettverschluß an den Seiten sehr einfach einzustellen und hat zusätzlich vorne einen Klippverschluß. Sie ist sehr leicht zu reinigen. Sie schützt nach EN13158 bzw. BETA Norm den gesamten Oberkörper und ist für Geländeprfungen zugelassen.

Hier der Cavallo Testsieger:
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Rückenprotektor zum Reiten

Manche Reiter bevorzugen das Rückenprotektor Reiten. Der Rückenprotektor soll vor allem den Rücken und die Wirbelsäule beim Reiten schützen. Ein Rückenprotektor ist eine etwa 2 cm dicke Verstärkung aus PVC, Nitril oder Gel-Schaum, die direkt über der Wirbelsäule angebracht wird. Beim Rückenprotektor Reiten werden – wie es der Name schon andeutet – speziell der Rücken und die Wirbelsäule geschützt. Wer mit dem Rückenprotektor reiten möchte, sollte sich allerdings darüber im Klaren sein, dass sein Brustkorb durch das einfache Polster vorn nur minimal geschützt ist. Ansonsten ähnelt der Rückenprotektor Reiten anderen Schutzwesten für Pferde-Fans. Da die Vorderseite nur wenig gepolstert ist, sind diese Reitwesten leichter als normale Schutzwesten.

Der Rückenprotector liegt dabei eng direkt über der Wirbelsäule. Dabei gibt es verschiedene Formarten: Mit Gurt, als Weste und mit Schutz im Brustbereich. Er ist fast immer nach EN1621-2 Norm geprüft. Diese ist eine Prüfnorm für den Motorsport, bei dem es um den Schutz der Wirbelsäule drauf ankommt. Diese Prüfnorm reicht nicht für den Reitsport bzw Geländeprüfungen. Wer mit einem Rückenprotektor reiten möchte, hat die Wahl zwischen zwei Schutzklassen. Besseren Schutz für das mit Rückenprotektor Reiten und Rückenprotektor Reiten Kinder bietet die Schutzklasse 2. Beim mit einem Rückenprotektor Reiten sollte der Pferde-Fan unbedingt darauf achten, dass das verstärkte Rückenteil nicht oben absteht (Verletzungsgefahr!). Rückenprotektoren sind nicht für das Gelände-Reiten und Gelände-Reit-Prüfungen zugelassen.

Vorteile
– Geringes Volumen und niedrigeres Gewicht
– mehr Bewegungsfreiheit und damit mehr Tragekomfort
– weniger schwitzen aufgrund der Form

Nachteile
– Nicht für Geländeprüfungen zugelassen

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Airbagwesten – Sicherheitsweste mit Airbag

Airbagwesten sind heut zu Tage noch nicht so bekannt, wie die klassischen Reitwesten. Die Beliebtheit steigt aber. Im Normalzustand ist sie wie eine ganz normale Reitweste. Sie liegt an und gibt dabei volle Bewegungsfreiheit. Das besondere ist auf den ersten Blick nicht erkennbar: Im inneren sind Schläuche und Luftkammern integriert. Bei einem Unfall wird die Druckluftpatrone betätigt. Diese hat einen Zündmechanismus, welcher im Notfall die Luftkammern und Schläuche aufbläst um so bei einem Sturz den Körper zu schützen.

Doch wie funktioniert das genau?
Um feststellen zu können, wann der Reiter stürzt muss der Abstand vn Reiter zum Sattel gemessen werden. Dafür hat die Airbagweste eine Schnur, welche ganz einfach am Sattel befestigt wird. Wenn der Reiter stürzt wird drch die Schnur der Zündmechanismus betätigt und die Weste blässt sich sofort auf. Dafür ist natürlich wichtig, dass die Schnur die richtige Länge hat, denn wenn das Pferd am Sprung einen größeren Satz macht muss die Schnur lang genug sein. Die Weste ist bei einem Sturz aufgeblasen, bevor der Reiter den Boden erreicht!

Der Vorteil bei diesen Westen ist, dass sie mehr Bewegungsfreiheit erlauben. Zu beachten ist aber auch, dass nach jedem Sturz bzw auslösen des Aufblasmechanismus die Druckluftpatrone erneuert werden muss. Die Weste ist dann aber wieder verwendbar – wenn sie keine weiteren Schäden hat.

Vorteile von Airbagwesten
– je nach Modell sind sie luftige, sodass man nicht so doll schwitzt.
– bequemer, da sie nicht so in der Bewegung einschränken.

Nachteile
– Eine Airbagweste kann keine Sicherheitsweste nach Vorschriften für Geländeprüfungen ersetzen. Deshalb darf sie nur zusätzlich benutzt werden.
– Natürlich kann es im Gegensatz zu einem Rückenprotector zu Fehlfunktionen kommen.
– Es sollte immer eine Nachfüllpatrone in greifbarere Nähe sein. Denn nach einem Sturz beim Ausritt erfüllt die Sicherheitsweste ansonsten ihren Zweck nicht mehr.
– Die Schnur muss nach dem Aufsteigen an und vor dem Absteigen wieder abgemacht werden.

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Schutz beim Reiten

Weitere Schutzmaßnahmen sind definitiv der Reithelm und Sicherheitssteigbügel. Mit allem zusammen kann man sich optimal schützen. Aber natürlich gibt es kein Rezept dafür, denn wenn sich ein Pferd beim FÜhren erschreckt und mit 600kg in die hinein springt kann es dich schlimmer erwischen, als wenn du beim Springen stürzt.

Meine Empfehlung: Eine Sicherheitsweste sollte in folgenden Situationen getragen werden:
– Beim Reiten junger Pferde
– Im Umgang mit so genannten „Problempferden“
– Für Kinder
– Für Anfänger
– Vorsichtige Reiter
– Im Gelände, beim Springen und in der Vielseitigkeit
– Wenn das Pferd zum erstne mal auf dem Turnier ist oder in einer neuen Umgebung geritten wird

Es empfielt sich für jeden eine Schutzweste zu tragen. Sie trägt sich wie eine etwas festere Jacke und ist dabei nicht störend, wenn sie optimal sitzt. Sie vermittelt ein sehr sicheres Gefühl und kann im ernst Fall schützen. Auch wenn bisher alles gut gegangen ist, es kann jeder Zeit etwas passieren.

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Carina

Carina ist Frauchen von Bambi, einem stolze 1,43cm großem 3- jährigem dt. Reitponywallach und wohnt im Westen Hamburgs.

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